Emotionales Konzert zum Abschied vom Dirigenten - nicht aber vom Freund „Wil van der Beek“

Standing Ovation - Ehrung für 50-jähriges Dirigat

Jan de Haan gratuliert per Videobotschaft

„Ein ziemlich bester Freund“ überrascht musikalisch

Vor einer ausgesprochen stattlichen Kulisse spielte der Musikverein Haaren am 28. April 2018 in der Selfkanthalle das Abschiedskonzert „Recuerdo“ für seinen langjährigen Dirigenten Wil van der Beek. Mit diesem finalen Konzert endet die Ära Wil van der Beek als Haarener Dirigent, wenngleich er noch das ein oder andere Mal den Taktstock führen wird und dem Musikverein Haaren weiterhin verbunden bleibt.

 

Musiker, Musikfreunde und Weggefährten zollen ihm Hochachtung, Anerkennung und außerordentlichen Dank für ein über viereinhalb Jahrzehnte währendes unermüdliches Engagement für „seinen“ Musikverein Haaren sowie für die Musik im Besonderen. Mit Standing Ovation empfangen die Besucher Wil van der Beek zu seinem Abschiedskonzert auf der Bühne und feiern ihn mit einem nicht enden wollenden herzlichen Applaus.

 

„Recuerdo“ ist kein Konzert wie alle vorherigen Konzerte. Den Musikerinnen und Musikern beschleicht die Gewissheit des unmittelbaren offiziellen Abschieds. In seinen Händen, von kleinsten Fingerzeichen bis ganzem Körpereinsatz, seiner unnachahmlichen Mimik und Gestik, lag in den letzten 45 Jahren in vollstem gegenseitigen Vertrauen ihre Musik. Und so klingt ein Stück Wehmut mit.

 

Bei aller Vorsicht mit Superlativen, dieses Konzert reiht sich dank hochmotivierter Musikerinnen und Musiker – so die einhellige Meinung vieler Besucher - nahtlos in die musikalisch besten Konzerte jüngster Zeit ein.

 

Jeder Musiktitel hat seine eigene Geschichte, seine ganz besonderen Beweggründe, warum Wil van der Beek gerade diesen oder jenen Titel ausgewählt hat. Das Musikprogramm erzählt Geschichten und von Stationen seines Musiklebens.

 

Musikprogramm – ein roter Faden durch ein Musikerleben

Die festliche Eröffnungsfanfare Prelude for a special occasion anlässlich des 35-jährigen Dirigentenjubiläums 2008 eigens von Wil van der Beek für den Musikverein Haaren komponiert, steht als ideales Eröffnungsstück am Anfang des Konzertes.                                             

 

In „Victory“, eine Komposition, die der Musikverein Haaren 1998 Jan de Haan in Auftrag gab, kommen Stimmungen wie Lebensfreude, Souveränität, Glück und Erfolg musikalisch zum Ausdruck. Gleichzeitig zeichnet Jan de Haan ein Porträt seines Freundes Wil van der Beek. „Musik hat sein Leben bestimmt, Musik ist sein Leben“ resümiert Jan de Haan in dem Wil van der Beek gewidmeten Werk.

 

Gerührt von der einfühlsamen Melodie und den schwermütigen Akkorden gehört das berühmte Gitarrenkonzert "Concierto de Aranjuez" des spanischen Komponisten Rodrigo zu den Favoriten Wil van der Beeks. Im für das Konzert ausgewählten zweiten Teil "En Aranjuez con tu amor" ist die Solorolle dem Alt-Saxofon zugedacht und wird hervorragend ausgefüllt von seinem Patenkind Sebastian Mühlenberg.

 

Der folgende Titel "Gettysburg" ist in dem Arrangement von John Moss für Fanfare als vollwertige Orchesterform eine gewaltige Komposition. Speziell für den Film komponiert, zeichnet "Gettysburg" eine ausdrucksstarke musikalische Unterstützung der Bilder von Krieg, Tod und Verderben, Leid und Verzweiflung.

 

Der argentinische Komponist Astor Piazzolla erhob den Tango vom alltäglichen Tanz auf das Niveau eines vollwertigen Konzertwerkes. Im ausgewählten Arrangement "Oblivion" ist das vorgesehene Soloinstrument ein Bandoneon, im Konzert ersetzt durch ein Sopran-Saxofon. Der Solist ist der Verlobte seiner Tochter und angehender Schwiegersohn, Stefan Gorissen.

Die herausragende Leistung beider Solisten wird vom Publikum mit einem besonderen Applaus bedacht.

 

Immer auf der Suche nach jungen talentierten Komponisten stößt van der Beek auf den Tiroler Michael Geisler mit seinem Werk "Voice of the Vikings".

 

Eines der ersten Stücke, die Wil van der Beek als junger Dirigent ins Programm nahm, war das "Intermezzo sinfonico", ein Teil aus der Oper "Cavalleria Rusticana" des italienischen Oper-Komponisten Pietro Mascagni.

 

Neben originaler Blasmusik und Bearbeitungen klassischer Musik räumt Wil van der Beek guter Unterhaltungsmusik immer einen gebührenden Platz ein. Dies ist in "Spanish Fever" von Jay Chattaway als spektakuläres publikumsfreundliches Stück durchaus der Fall.

 

Im fortgeschrittenen Konzertverlauf wirft van der Beek nochmals einen Blick weit zurück. Als junger Bursche durfte er diesen Marsch, "The Middy March" von Kenneth J. Alford, einmal dirigieren. "Gut möglich", so van der Beek, "dass ich mich hierbei mit dem Dirigenten-Virus infiziert habe".

 

Mit „Time to say goodbye“- so van der Beek - „einem Titel, der exakt das ausdrückt, was jetzt gesagt werden muss“ - und mit solistischer Begleitung seines Patenkindes Sebastian Mühlenberg sowie seines künftigen Schwiegersohnes Stefan Gorissen legt ein herausragender Musiker, Dirigent und Komponist mit dem Schlussakkord im „Goldregen“ den Taktstock ab und verabschiedet sich als Dirigent von seinen Musikerinnen und Musikern sowie seinem Publikum in Haaren.

 

 

Allen Musikerinnen und Musikern, Vorstandsmitgliedern, Ehrenmitgliedern

und allen, die den Musikverein in ihr Herz geschlossen haben, selbstverständlich auch meinem Nachfolger: “Alles Gute ...”

 

Wil van der Beek

 

Laudatio und Ehrungen

In seiner Laudatio lässt Vorstandsmitglied Heinz-Josef Schrammen in Vertretung für den kurzfristig erkrankten Präsidenten Olaf Regnery das Wirken van der Beeks mit wesentlichen Stationen und seinen besonderen Qualitäten als Freund und Musiker nochmals Revue passieren. „Er hat den Musikverein seit den frühen 70er Jahren über Generationen geprägt und seine unverwechselbare Handschrift gegeben. Jahr für Jahr hat er den Nachwuchs in den Verein integriert und mit einem profunden musikalischen Wissen und Sachverstand gepaart mit viel Fingerspitzengefühl und pädagogischen Geschick zu einem wohlklingenden Klangkörper geformt“, so Heinz-Josef Schrammen.

 

Neben einem persönlichen Präsent erhält Wil van der Beek aus der Hand von Heinz-Josef Schrammen namens aller Musikerinnen und Musiker in schöner Erinnerung an tausende gemeinsam verbrachter Stunden einen vergoldeten Dirigentenstab.

 

Der Volksmusikerbund Nordrhein-Westfalen e.V. ehrt Wil van der Beek für seine besonderen Verdienste um die Blasmusik mit der Landes-Ehrenplakette NRW. Seitens der Bundesvereinigung Deutscher Blasmusikverbände würdigt der stellvertretende Vorsitzende des Volksmusikerbundes Kreisverband Heinsberg, Musikdirektor Klaus Schafferhans, seine Verdienste und überreicht die Dirigentennadel in Gold mit Diamant, eine Urkunde für 50-jährige Tätigkeit sowie als besondere und nur wenigen vorbehaltene Auszeichnung das CISM Ehrenkreuz in Gold.

 

Jan de Haan gratuliert per Videobotschaft

Glückwünsche aus den friesischen Niederlanden übermittelte Freund und Verleger Jan de Haan, in diesen Tagen gerade erst von einer Asienreise zurückgekehrt, per Videobotschaft. Gerne erinnert er sich an seine Auftritte, u.a. mit dem „Frysk Fanfare Orkest“ in Haaren. „Als ausgesprochene Ehre“ – so Jan de Haan – „empfinde ich es, dass du, Wil, das von mir komponierte „Victory“ für dein Abschiedskonzert ausgewählt hast.“

 

„Ein ziemlich bester Freund“ überrascht musikalisch

Eine besondere Überraschung hatte Büb Mühlenberg, „ein ziemlich bester Freund“ und langjähriger Dirigentenkollege, still und heimlich mit den Haarener Musikern vorbereitet. Wil van der Beek staunte nicht schlecht, als Büb Mühlenberg das Dirigentenpult übernahm und den Taktstock zur Polka „Ein halbes Jahrhundert“ – entsprechend Wil van der Beeks Dirigentenjubiläum und ihrer freundschaftlichen Verbundenheit - führte.

 

Bei einem anschließenden Gläschen Sekt und vorbereiteten Canapes werden nochmals Erinnerungen ausgetauscht und viele Hände geschüttelt. So vieles, was noch gesagt werden müsste.

 

„Es ist der Abend des Abschieds vom Dirigenten Wil van der Beek – nicht aber vom Freund Wil van der Beek.“

 

Daher: Tschüss – und auf bald in Haaren ...

 

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